Eigelstein Köln | Die Geschichte des Veedels

Der Eigelstein Köln ist eine Wundertüte an Geschichte und Anekdoten. Im Schnelldurchlauf gibt’s hier „kölsche“ Stadtgeschichte hautnah zu erleben und zu sehen. Römerzeit, Mittelalter, französische Besatzung, preußische Prägung, Kriegsleiden, Zerstörung und Wiederaufbau und eine lebendige Gegenwart machen dieses spezielle „Veedel“ zu einem spannenden Ort für eine kurzweilige Zeitreise durch die Metropole am Rhein.

Das Stadtviertel im Norden gilt neben dem „Vringsveedel“ im Süden, dem Severinsviertel, als besonders ursprünglich und echt. Wer vom Eigelstein Köln spricht, meint oft die knapp 570 Meter lange und schon seit den Römern bezeugte Straße, die sich von der Torburg fast bis zum Kölner Dom erstreckt. Der Eigelstein Köln umfasst im weiteren Sinne aber auch die Nebenstraßen und Gässchen zwischen Hansaring, Ebertplatz und Nord-Süd-Fahrt und früher sogar noch darüber hinaus.

Trutzburg nach Norden

Über allem thront die mächtige Eigelsteintorburg aus den Jahren 1228 bis 1248. Sie war Bestandteil der 3. Stadterweiterung nach 950. Das Stadtgebiet wurde damals verdoppelt. Das Tor am Eigelstein ist eins der vier erhaltenen Haupttore der insgesamt 12 Tore umfassenden Stadtmauer. Daneben gab es übrigens noch über 20 weitere kleinere Tore und Türme in der Mauer am Rhein. Das Heilige Köln im Mittelalter: eine wahre Festung.
Interessant ist die unterschiedliche Gestaltung der Eigelsteintorburg auf der Nordseite und auf der stadteinwärts gerichteten Südseite. Auf der einen Seite ein Doppelturm mit wehrhaften Zinnen und burgähnlichem Charakter als eine Absicherung gegen Eindringlinge. Und von der Stadtseite her, also vom Eigelstein aus betrachtet, hat das Tor eher die Züge einer trutzigen gotischen Wohnburg.

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Eigelstein Köln - lange der Stammsitz der Gaffel BrauereiBesonders auffällig ist die Skulptur des „Kölsche Boor“ (des „Kölner Bauern“). Sie erinnert an Vertretung des Bauernstandes im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation durch Köln. Erst 1891 wurde die Figur dort ehrenhalber angebracht. Aufgrund ihres verwitterten Zustandes wurde sie in den 1970er Jahren durch die heutige Replik ersetzt. Im östlichen Turmgewölbe befindet sich das Kutterwrack des „Kreuzers Köln“, der im Ersten Weltkrieg 1915 untergegangen ist. Ein übrig gebliebenes Ausstellungsstück. Den die Torburg war ab 1898 lange Jahre eine Filiale des Historischen Museums.

Über die Jahrhunderte hinweg hat die Eigelsteintorburg als Festung, Zollstelle, Gerichtshaus, Gefängnis oder Museum gedient. Unter großem Pomp, Kanonen und Glockengeläut zog 1804 Napoleon I. durch den Bogen. Der französische Besatzer war mit seiner Gattin Joséphine über den Eigelstein auf dem Weg zum Neumarkt.
Heute befindet sich innerhalb der Tormauern die Offene Jazz Haus Schule. Darüber hinaus sind die Räumlichkeiten eine äußerst beliebte Eventlocation.

Eigelstein Köln | Jahrhunderte zuvor

Der Eigelstein Köln ist zur Römerzeit ein bedeutender Heerweg zum Legionslager Neuss und für Truppenverlegungen an den Niederrhein nach Xanten. Vor der Stadt gelegen, siedelten sich um 50 n. Chr. römische Glasbläser an. Überreste von Glasöfen wurden in einer Reihe von Häusern auf dem Eigelstein gefunden.
Ringsum auf den Feldern errichteten die Römer prächtige Gräber. Die Steine werden mit Pinienzapfen verziert. Ein Detail, dass eine Rolle spielt bei der Frage, wo der Name „Eigelstein“ herkommt. Der Kölner kannte keine Pinien, sondern glaubte, es seien Eicheln und interpretierte sie als „Eychelsteyne“.
Möglich ist aber auch, dass der Name auf den „Adler“ (lat. aquila) zurückgeht. Der Adler war das Wappentier der römischen Legionen. Aus „platea aquilina“, frei übersetzt der Platz, wo einst die mit dem Adler marschierten, wurde unter den französischen Besatzer dann die „Porte de L’Aigle“ (Adlerpforte). Der Schriftzug von 1812 ist noch an der Torburg zu sehen. Es könnte also auch sein, dass der Begriff im Sprachgebrauch quasi zu „Eigelstein“ eingekölscht wurde. Das Eigelstein ist keine Kölner Sehenswürdigkeit, muss aber in jedem Fall besucht werden!

Geheimtipps

Köln war in den 60er Jahren wegen seiner berüchtigten Kriminalitätsrate als „Chicago am Rhein“ bekannt. Daran hatte der Eigelstein erheblichen Anteil. Der zwielichtige Ruf hängt ihm bis heute an. Führungen ins Milieu von damals sind sehr beliebt und zeugen von einer besonders rustikalen Kölner Eigenart.

Die Straße „Unter Krähnenbäumen“ wird heute durch die Nord-Süd-Fahrt geteilt. An die Zeit einer ungeteilten Straße erinnert das brillante Foto-Buch von Chargesheimer. Er dokumentiert atmosphärisch einzigartig die Nachkriegszeit auf der „UKB“. Eine urkölsche Ecke mit urkölschen Persönlichkeiten.

Ebenfalls einzigartig am Eigelstein Köln und ein ganz seltenes Original aus der Franzosenzeit: Ein zweisprachiges Straßenschild aus der Franzosenzeit. Zu entdecken in der mittlerweile ansehnlich gepflegten, ehemaligen Puff-Straße „Im Stavenhof“. Der historische Stein hängt unweit der „Porte de L‘Aigle“ im gläsernen Eingangsbereich eines Wohn- und Geschäftshauses: „Passage Stavenhof / Am Stavenhof“.

Der Eigelstein Köln ist seit Urzeiten bäuerlich gepägt und eine Ecke mit Lebenslust, Brauhäusern und Gaststätten. Die Brauerei „Gaffel“ hatte hier lange Jahre ihren Stammsitz. Urig, kölsch und dabei noch historisch interessant locken heute „Em kölsche Boor“ und das „Weinhaus Vogel“ die durstige Großstadtkehle, ein bisschen Zeit mit Kölsch und Essen zu verbringen. Falls du Interesse an Kölsch und der kölschen Kultur hast, solltest du unsere Brauhaustour Köln machen. Hier erwarten dich leckere Getränke, lustige Geschichten und ein Tag voller Spaß!